Venenum Band

Venenum – interview zu „trance of death“

VENENUM sind uns Musikliebhabern natürlich schon seit 2011 ein Begriff. Da schlugen die Nernbercha (Nürnberger) mit solch einer Wucht in den Underground, dass der Nachhall der Mini-LP bis 2016 andauerte, als die Gerüchte zur Erscheinung des ersten Longplayers immer lauter wurden. Und jetzt, 2017, in dem auch HAYRETIC Fahrt aufnimmt, freut es mich ganz besonders, zu einem der Highlights dieses Jahres das erste Interview zu führen, vor allem, weil dieses Meisterwerk in nur 130 km Entfernung entstanden ist.

„Trance Of Death“ ist ein dermaßen gelungenes Rundum-Sorglos-Paket, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll. Lasst uns doch kurz das Jahr 2013 beleuchten. Da war das Album schon zum Großteil fertig. Warum hat es dann nochmal vier Jahre gedauert, bis die Scheibe uns endlich erfreut?

Die Arbeit an dem Album ist aus diversen Gründen nur recht stockend voran gegangen. Die Distanz zwischen uns (Österreich-Frankenland – Red.) hat es uns erschwert regelmäßig gemeinsam als Band zu proben. 2013 hatten wir schon einiges an Material zusammen, ein Großteil davon ist auch auf dem Album, aber als dann 2014 unser zweiter Gitarrist ausgestiegen ist, hat uns das etwas zurückgeworfen und wir mussten einige Songs neu arrangieren.

Nachdem 2015 unser neuer Gitarrist dazugekommen ist, konnten wir wieder als volle Band proben und haben fast ein Jahr lang intensiv an der Vorproduktion des Albums gearbeitet und Mitte 2016 mit den Aufnahmen begonnen.

Das Intro, bestehend aus Cello und Klavier, ist sehr stimmungsvoll und bereitet gut darauf vor, was folgt. Wie kam es dazu?

Wir wussten schon recht früh, dass wir ein Cello als Intro für das Album haben wollen. Über unseren Schlagzeuger sind wir dann auf Steffen Murau gekommen. Die Aufnahme und das Arrangement für das Intro entstanden an einem Abend im Studio und es war eine sehr interessante Erfahrung.

Es hat eine Zeit lang gedauert bis wir musikalisch zusammen gefunden haben, weil wir doch eine sehr unterschiedliche Herangehensweise zur Musik haben, es war aber spannend mit jemanden zusammenzuarbeiten, der einen ganz anderen musikalischen Hintergrund hat. Die Tonfolge ist an den abschließenden Part des Albums angelehnt, etwas abgeändert und durch verschiedene Improvisationen ergänzt.

Seit einigen Jahren weht ein frischer Modergeruch durch die Death Metal Welt. Unzählige neue, spannende Mixturen röchelten aus der Gruft und lieferten anständige Grabeskunst. Doch bei einigen ist neben all der Verwesung eine Multidimensionalität spürbar, die mich sehr an H. P. Lovecraft und seine Werke erinnert und z. B. bei  „Sulphur Aeon“ sehr präsent ist. Hat Meister Lovecraft bei euch ebenfalls Einfluß?

Ich wäre mir über keinen direkten Einfluss bewusst, obwohl ich die Welt die er erschaffen hat sehr spannend und faszinierend finde. Leider ist die Thematik, vor allem im Death Metal, schon sehr ausgelutscht und daher nicht wirklich reizvoll für uns um es in die Musik miteinzubauen.

Ich erwähne „Sulphur Aeon“ auch deswegen, da die mir bei „cold threat“  als erstes eingefallen sind, als ich das Lied hörte, auch alte „Morbid Angel“ kommen in den Sinn. Sind das Brüder im Geiste oder im Falle „Morbid Angel“ auch Einflüsse?

Unsere Einflüsse sind so breit gefächert, dass eine Auflistung hier nur wenig Sinn machen würde.

Hinzu kommt der ein oder andere Verweis auf die Blütezeit des harten Rock. Viele neue Bands berufen sich auf die alten Helden, aber direkte Einflüsse hört man selten oder werden eher verhunzt. „The Devil’s Blood“ machten hier alles richtig, die sehe ich ebenfalls als Brüder (und Schwester, natürlich). Kann dem sein? Und wart ihr schon immer Fan des 70ger Hard Rock, oder ist das allmähliche Altersmilde? Gibt es Bands, die euch besonders gefallen? „Uriah Heep“ soll ja auch auf euren Konzerten erklingen, hab ich gelesen.

Man wird natürlich im Laufe der Zeit auch durch Bands, des genannten Genres oder Zeitabschnittes, mitgeprägt. Das korreliert in gewisser Weise auch mit dem Alter und einem gewachsenen Horizont, wenn man so will. Im Großen und Ganzen waren wir aber schon immer sehr neugierig was Musik angeht und versuchen uns nicht von Genregrenzen und Szenevorgaben oder Regeln einschränken zu lassen.

Die Trilogie am Ende des Albums („Reflections“, „Metanoia Journey“ und „There Are Other Worlds…“) ist ganz großer Ohrenschmaus. Die Verbindung aus Death Metal, Classic Rock und vielschichtigen Lyrics lässt mich jedes mal sprachlos zurück. Wird einem schon während dem Schreiben oder ausarbeiten bewusst, dass hier alles im Fluß ist, dass in dem Moment etwas großartiges Erschaffen wird?

Einiges des Materials was den Titelsong ergibt ist separat entstanden, aber im Songwriting-Prozess haben sich dann viele Parts nahezu von selbst zusammengefügt. Wir hatten zwar schon lange die Idee eine ganze Plattenseite mit einem Song zu befüllen. In diesem Fall, hat es sich aber ergeben, dies in Form einer, aus mehreren Teilen bestehenden Trilogie, umzusetzen.

Man merkt, ihr legt nicht nur auf die Musik wert, sondern auch die textliche und visuelle Umsetzung vom Cover bis zur Ausstattung live (Blut, Grabsteine, Schädel) ist wie aus einem Guss. War das schon von Anfang an der Anspruch?

Ja, das war uns schon von Anfang an wichtig und wir legen da auch bei anderen Bands großen Wert darauf. Unserer Meinung nach ist die visuelle Umsetzung eines Albums und auch die Darstellung einer Band extrem wichtig und sollte immer mit der Musik zusammenpassen.

Ein Detail, das sicher gewollt war, ist die Abkürzung von „Trance Of Death“. TOD. Wie passt der olle Schnitter ins Bild? Als Begleiter in die anderen Welten?

Der Tod ist auf diesem Album eher als Verwandlung, Reise oder Übergang zu sehen, weniger als Person oder Figur.

Ich hab mir das Cover schon oft angeschaut, bin mir aber noch nicht schlüssig, was ich sehe. Ich finde auch hier gibt es eine Verbindung zu Lovecraft. Ein Auge als Eingang in eine andere Dimension?

Das Cover soll die Vorstellungskraft anregen und es gibt nicht eine bestimmte Art es zu betrachten. Ob der Betrachter aus einer Perspektive von „außen nach innen“ oder „innen nach außen“ blickt, ein „Auge“ oder eine „Landschaft“ zu erkennen ist, ist der eigenen Interpretation zu überlassen.

Ich danke Euch vielmals für die Zeit und hoffe, dass wir uns auf dem einen oder andern Festival bzw. Konzert zu einem lecker fränkischen Bierchen und Brodworscht treffen werden. Die Zukunft gehört VENENUM.

Vielen Dank für das tolle Interview!